"Lieber Herr Hahndorf, Ihre Webseite kann ich aufrufen, aber der Link auf ihr Global-Sourcing-Blog funktioniert nicht", stand in der Email aus Beijing. Er funktioniert aber, wie wir sofort hektisch überprüft haben, ganz prima – nur eben nicht aus China. 防火长城 (fanghuo changcheng), die Große Chinesische Mauer im Cyberspace, hat offenbar auch den Sourceconomy-Blog ausgeschlossen. Ich bin versucht, das als Kompliment zu sehen, widerstehe aber gerade noch dem Drang, in die aktuell so moderne allgemeine China-Beschimpfung einzustimmen. Sie wird der Sache nämlich auch nicht gerecht: zu komplex und verfahren sind die Fragen rund um Tibet und Menschenrechte, Oligarchie und Demokratisierung, Drachen und Tiger. Wer es etwas differenzierter haben möchte, wird diesen Literaturhinweis schätzen: "Globale Rivalen: Chinas unheimlicher Aufstieg und die Ohnmacht des Westens" von Eberhard Sandschneider, dem Chef des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.. Ein differenziertes Buch, das die Beziehung des "Westens" zu China nüchtern analysiert, das Verständnis für chinesische Perspektive erheblich fördert und dennoch aus unserer globalen Rivalität keinen Hehl macht. Interessant finde ich vor allem die Beobachtung, dass ein zerstrittener Westen, der sich nicht auf eine einheitliche Linie gegenüber dieser Supermacht einigen kann, ihr auch nicht auf Augenhöhe begegnen kann. Lesenswert.
Zurück zur IT: Schade, das mit der Blockade. Gerade im Reich der Mitte ist noch so viel zu tun: Offshoring und Oustourcing in China ist weniger umfangreich, als man es vermuten würde. Die Allgegenwart Chinas in den Medien suggeriert eine Vormachtstellung auch hier. Aber noch sind es weniger als 10% des weltweiten Marktes, sagt Unternehmensberater McKinsey in einer neuen Studie. Man habe aber den Eindruck, daß sich dies schnell ändern könne, wenn sich die Chinesen dazu entschliessen, den Sektor zu fördern und die Leistungsfähigkeit ihrer Leute zu steigern. Meine These: Die Chinesen haben sich ja in der Vergangenheit nicht gerade als zögerlich oder zurückhaltend erwiesen, wenn es um die Erreichung einmal gesetzter Ziele ging. Da kommt etwas auf uns zu, was wir noch nicht einmal erahnen. Die Auswirkungen auf unsere lokale IT-Industrie, auch hier in Baden-Württemberg und in Freiburg, wird enorm sein.
Veranstaltungsrückschau: Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat gestern wieder einen ihrer inzwischen bekannten CampusTalks unter der Leitung von Martina Dalla Vecchia gegeben. Thema diesmal: Wirtschaftsspionage. Marco Marchesi, CEO der Schweizer Sicherheitsfirma ISPIN AG, hat eindrücklich vor Augen geführt, wie man in der Rolle als netter Kerl (neudeutsch: "per social engineering") Zugang zu sensiblen Daten bekommen kann. Mit einem freundlichen "Hallo ich bin der Marco vom Helpdesk" war es getan, schon sass er vor den eingeloggten Rechnern schweizerischer Versicherungsunternehmen. Im anschließenden World Café wurde intensiv diskutiert, wie man sich vor Wirtschaftsspionage schützen kann und wer ihr eher zum Opfer fällt. Nicht erstaunlich: Je mehr Wir-Gefühl in einem Unternehmen herrscht, desto geringer sind die Chancen von Außenstehenden, schädlichen Einfluß auszuüben. Ein starkes Team, welches gemeinsame Ziele verfolgt, bietet einem Eindringling oder einem Konkurrenten wesentlich geringere Chancen als eine zertrittene Mannschaft , die im inneren Exil lebt und sich gemeinsamen Zielen verschliesst.
Das wissen die Chinesen übrigens auch.
Freitag, 30. Mai 2008
Samstag, 24. Mai 2008
IT-Outsourcing und Offshoring in der Praxis
Zunächst ein Veranstaltungshinweis in quasi eigener Sache: Der u.a. auf IT- und Biotechnologierecht spezialisierte Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Jörg Schneider-Brodtmann (Anwaltskanzlei Kleiner Rechtsanwälte) lädt zum
Erfahrungsaustausch "IT-Outsourcing und Offshoring in der Praxis"
am Mittwoch, 25. Juni 2008 in Stuttgart
ein. Er wird die rechtlichen Aspekte von IT-Outsourcing und Offshoring beleuchten, Thomas Gebhardt von Gebhardt Sourcing Solutions spricht über IT-Outsourcing, ich steuere den internationalen Aspekt bei. Die Veranstaltung richtet sich branchenübergreifend an alle Unternehmen, die entsprechende Maßnahmen implementiert haben, dies vorbereiten oder auch nur darüber nachdenken, sowie an Outsourcing-Anbieter und Beratungsunternehmen. Weitere Informationen zur Veranstaltung unter Tel.: 0711/601 708-29 (Nicole Medelin). Anmeldung bei Kleiner Rechtsanwälte oder bei Till Hahndorf / sourceconomy.
Forrester hat gerade einen Report veröffentlicht, der die weltweiten Ausgaben für IT-Services und IT-Outsourcing auf rund 488 Milliarden Euro schätzt, davon rund 25% für das IT-Outsourcing. Die gesamte Prozesskette von der Angebotseinholung bis zum unterschriebenen Vertrag sollte von Spezialisten begleitet werden – Forrester hebt (neben den Business-Verantwortlichen) auf die Experten für Sicherheit und Datenschutz ab, ich würde gerne noch die kulturellen Mediatoren und die strategische Ebene mit dabei haben. Nur um sicher zu stellen, dass es nicht vor lauter Messen und Regeln zu Insuffizienzen kommt, die nur schwer mess- oder regelbar sind. Und der Stratege kann die globale IT-Auftragsvergabe gleich in seine Vision für das nächste Jahrzehnt einbauen, da wird es ohne nämlich kaum noch gehen, wenn man im Wettbewerb bestehen will.
Die Krise der US-Wirtschaft und die Aufwertung der Rupie gegenüber dem Dollar haben in Indien zunächst die kleinen und mittleren Anbieter getroffen, hat die India Times herausgefunden. Die Auftraggeber, die ihre Vergabe nach Indien im Zuge der bremsenden Wirtschaft konsolidiert haben, haben dies zunächst mit den weniger umfangreichen Aufträgen an die kleinen Anbieter getan. Grund könnte sein, dass in Boomzeiten eine Verteilung der Aufträge auf mehrere Anbieter erfolgt. Dies ist sinnvoll, weil Kunden so für einzelne Projekte mehr Aufmerksamkeit vom jeweiligen Lieferanten geboten bekommen und die Verteilung des Auftragsportfolios auf mehrere Anbieter auch zur Minimierung des Risikos sinnvoll ist. Wenn die Zeiten dann knapper werden, werden diese Aufträge als erste zurückgezogen. Was heißt das für uns in Deutschland und Europa? Da sind freie Kapazitäten, wir können die Rupie billig bezahlen, die EU rückt sowieso in den Vertriebsfokus der Indischen Anbieter: So gut war die Gelegenheit seit vielen Jahren nicht. Wer sich jetzt auf die Suche nach einem Anbieter in Indien macht, hat gute Chancen, zu attraktiven Preisen hohe Qualität zu bekommen. Es ist äußerst angenehm, genau im Kernfokus der Anbieterszene zu liegen – oder anders ausgedrückt: Wer jetzt als deutscher Mittelständler nach Indien geht, um sich dort IT-Services zu kaufen, wird mit offenen Armen empfangen. Fragen sie doch mal hier nach, wie man da am besten vorgeht.
Fundstelle: Die Ameria GmbH, Heidelberger IT-Schmiede mit Technologiezentrum in der Ukraine, hat das Heft selbst in die Hand genommen und mit der örtlichen Universität in Simferopol eine Ausbildungskooperation vereinbart. Die Uni bildet die Programmierer aus, Ameria steuert die internationalen Projektmanagementfähigkeiten bei. Dafür dürfen sie dann vermutlich als erste im Pool fischen. Ziemlich schlau – die reiferen Offshoremärkte in Indien oder auf den Philippinen werden heute schon fast ausschließlich von der Knappheit an fähigen Mitarbeitern gebremst. Wer da schon früh gegensteuert, hat in ein paar Jahren Recruiting-Oberwasser. Und dass die Ukraine in naher Zukunft einer der IT-Märkte Europas sein wird, steht außer Frage.
am Mittwoch, 25. Juni 2008 in Stuttgart
ein. Er wird die rechtlichen Aspekte von IT-Outsourcing und Offshoring beleuchten, Thomas Gebhardt von Gebhardt Sourcing Solutions spricht über IT-Outsourcing, ich steuere den internationalen Aspekt bei. Die Veranstaltung richtet sich branchenübergreifend an alle Unternehmen, die entsprechende Maßnahmen implementiert haben, dies vorbereiten oder auch nur darüber nachdenken, sowie an Outsourcing-Anbieter und Beratungsunternehmen. Weitere Informationen zur Veranstaltung unter Tel.: 0711/601 708-29 (Nicole Medelin). Anmeldung bei Kleiner Rechtsanwälte oder bei Till Hahndorf / sourceconomy.
Forrester hat gerade einen Report veröffentlicht, der die weltweiten Ausgaben für IT-Services und IT-Outsourcing auf rund 488 Milliarden Euro schätzt, davon rund 25% für das IT-Outsourcing. Die gesamte Prozesskette von der Angebotseinholung bis zum unterschriebenen Vertrag sollte von Spezialisten begleitet werden – Forrester hebt (neben den Business-Verantwortlichen) auf die Experten für Sicherheit und Datenschutz ab, ich würde gerne noch die kulturellen Mediatoren und die strategische Ebene mit dabei haben. Nur um sicher zu stellen, dass es nicht vor lauter Messen und Regeln zu Insuffizienzen kommt, die nur schwer mess- oder regelbar sind. Und der Stratege kann die globale IT-Auftragsvergabe gleich in seine Vision für das nächste Jahrzehnt einbauen, da wird es ohne nämlich kaum noch gehen, wenn man im Wettbewerb bestehen will.
Die Krise der US-Wirtschaft und die Aufwertung der Rupie gegenüber dem Dollar haben in Indien zunächst die kleinen und mittleren Anbieter getroffen, hat die India Times herausgefunden. Die Auftraggeber, die ihre Vergabe nach Indien im Zuge der bremsenden Wirtschaft konsolidiert haben, haben dies zunächst mit den weniger umfangreichen Aufträgen an die kleinen Anbieter getan. Grund könnte sein, dass in Boomzeiten eine Verteilung der Aufträge auf mehrere Anbieter erfolgt. Dies ist sinnvoll, weil Kunden so für einzelne Projekte mehr Aufmerksamkeit vom jeweiligen Lieferanten geboten bekommen und die Verteilung des Auftragsportfolios auf mehrere Anbieter auch zur Minimierung des Risikos sinnvoll ist. Wenn die Zeiten dann knapper werden, werden diese Aufträge als erste zurückgezogen. Was heißt das für uns in Deutschland und Europa? Da sind freie Kapazitäten, wir können die Rupie billig bezahlen, die EU rückt sowieso in den Vertriebsfokus der Indischen Anbieter: So gut war die Gelegenheit seit vielen Jahren nicht. Wer sich jetzt auf die Suche nach einem Anbieter in Indien macht, hat gute Chancen, zu attraktiven Preisen hohe Qualität zu bekommen. Es ist äußerst angenehm, genau im Kernfokus der Anbieterszene zu liegen – oder anders ausgedrückt: Wer jetzt als deutscher Mittelständler nach Indien geht, um sich dort IT-Services zu kaufen, wird mit offenen Armen empfangen. Fragen sie doch mal hier nach, wie man da am besten vorgeht.
Fundstelle: Die Ameria GmbH, Heidelberger IT-Schmiede mit Technologiezentrum in der Ukraine, hat das Heft selbst in die Hand genommen und mit der örtlichen Universität in Simferopol eine Ausbildungskooperation vereinbart. Die Uni bildet die Programmierer aus, Ameria steuert die internationalen Projektmanagementfähigkeiten bei. Dafür dürfen sie dann vermutlich als erste im Pool fischen. Ziemlich schlau – die reiferen Offshoremärkte in Indien oder auf den Philippinen werden heute schon fast ausschließlich von der Knappheit an fähigen Mitarbeitern gebremst. Wer da schon früh gegensteuert, hat in ein paar Jahren Recruiting-Oberwasser. Und dass die Ukraine in naher Zukunft einer der IT-Märkte Europas sein wird, steht außer Frage.
Samstag, 17. Mai 2008
Die Gewinner der Globalisierung
Wegen 10 fehlender Rupien (etwa 15 cent) für Busfahrkarten haben ein indischer Arbeiter und seine vierjährige Tochter am Mittwoch im indischen Orissa den Tod gefunden, das meldete gestern die FAZ. Es habe eine Auseinandersetzung mit dem Schaffner gegeben, die beiden seien in der Folge aus dem Bus gestossen und überfahren worden. Daraufhin hätten aufgebrachte Passagiere den Bus in Brand gesetzt.
Das ist eine scheußliche Meldung und eine tragische Geschichte. Solche Meldungen führen mir stets aufs Neue vor Augen, wie weit entfernt manche Länder, aus denen wir Dienstleistungen beziehen, tatsächlich liegen. In diesem Falle ist es die Entfernung auf der Wohlstandsskala, die in den Vordergrund tritt. Laut NASSCOM arbeiten rund 2 Mio. Inder auf dem Subkontinent in einer technologienahen Branche und gehören zur Schicht der Gesellschaft, die als "upwardly mobile" bezeichnet wird, also als aufsteigend und in der Lage, sich am oberen Ende der Wohlstandsskala zu orientieren. Das sind weniger als 0,2% der indischen Bevölkerung (2 Mio gegenüber 1,15 Mrd)! Wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Gesprächspartner in Softwareprojekten und Callcentern, in Wartungsarrangements und SAP-Implementationen nicht die durchschnittlichen Inder sind, sondern die direkten, primären Gewinner der Globalisierung. Über deren Wirtschaftskraft profitieren nun zunächst deren Familien, nach und nach aber die gesamte indische Gesellschaft vom internationalen Austausch. Sie hat es, und das sollten wir eben nicht vergessen, dringend nötig.
Noch eine Meldung, diese stand unter anderem in der ZEIT: Das indische Billig-Auto TATA NANO enthält eine ganze Menge deutscher Teile. Von Bosch über Freudenberg bis ZF steckt viel deutsche Ingenieurskunst im "indischen Volkswagen". Hergestellt wird alles in den jeweiligen indischen Dependancen. Man habe sich vom reinen Zulieferer zu einem integrativen Bestandteil der Wertschöpfungskette hochgearbeitet, berichten die Manager vor Ort. Nun sei man auch in Design und Gesamtarchitektur komplexer Systeme eingebunden. Das spiegelt exakt die Entwicklung in der globalisierten IT-Landschaft wider: Waren die Partner "offshore" und "nearshore" zunächst reine Ausführungsgehilfen, haben sie sich inzwischen einen festen Platz in Planung und Entwurf von Produkten und Systemen erarbeitet. Der ZEIT-Artikel steht hier. Wer sich darüber informieren möchte, welche Projekte sich für eine Vergabe nach Asien oder Osteuropa eignen, sollte mal hier klicken.
Das ist eine scheußliche Meldung und eine tragische Geschichte. Solche Meldungen führen mir stets aufs Neue vor Augen, wie weit entfernt manche Länder, aus denen wir Dienstleistungen beziehen, tatsächlich liegen. In diesem Falle ist es die Entfernung auf der Wohlstandsskala, die in den Vordergrund tritt. Laut NASSCOM arbeiten rund 2 Mio. Inder auf dem Subkontinent in einer technologienahen Branche und gehören zur Schicht der Gesellschaft, die als "upwardly mobile" bezeichnet wird, also als aufsteigend und in der Lage, sich am oberen Ende der Wohlstandsskala zu orientieren. Das sind weniger als 0,2% der indischen Bevölkerung (2 Mio gegenüber 1,15 Mrd)! Wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Gesprächspartner in Softwareprojekten und Callcentern, in Wartungsarrangements und SAP-Implementationen nicht die durchschnittlichen Inder sind, sondern die direkten, primären Gewinner der Globalisierung. Über deren Wirtschaftskraft profitieren nun zunächst deren Familien, nach und nach aber die gesamte indische Gesellschaft vom internationalen Austausch. Sie hat es, und das sollten wir eben nicht vergessen, dringend nötig.
Noch eine Meldung, diese stand unter anderem in der ZEIT: Das indische Billig-Auto TATA NANO enthält eine ganze Menge deutscher Teile. Von Bosch über Freudenberg bis ZF steckt viel deutsche Ingenieurskunst im "indischen Volkswagen". Hergestellt wird alles in den jeweiligen indischen Dependancen. Man habe sich vom reinen Zulieferer zu einem integrativen Bestandteil der Wertschöpfungskette hochgearbeitet, berichten die Manager vor Ort. Nun sei man auch in Design und Gesamtarchitektur komplexer Systeme eingebunden. Das spiegelt exakt die Entwicklung in der globalisierten IT-Landschaft wider: Waren die Partner "offshore" und "nearshore" zunächst reine Ausführungsgehilfen, haben sie sich inzwischen einen festen Platz in Planung und Entwurf von Produkten und Systemen erarbeitet. Der ZEIT-Artikel steht hier. Wer sich darüber informieren möchte, welche Projekte sich für eine Vergabe nach Asien oder Osteuropa eignen, sollte mal hier klicken.
Freitag, 9. Mai 2008
Die NASSCOM und das Freiburger Medienforum
Wussten Sie eigentlich, daß ihre Programmierfirma in Indien keine Steuern zahlt? Ganz legal – der sogenannte Tax Holiday für die indischen Softwareexporteure gilt seit April 2000. Aktuell wird er um ein Jahr verlängert, sonst wäre er nächsten März ausgelaufen. Die Nasscom, Speerspitze der indischen Software-Lobby, hat also offenbar ihren Job gemacht. Wo man sich angesichts gesperrter US-Arbeitsvisa noch in liberaler Rhetorik für Reisefreiheit und unbehinderte Wertschöpfung stark machte, will man nun mit der Steuerpolitik die eigene Softwarebranche vor der Konkurrenz aus Vietnam und den Philippinen schützen. Dort gelten natürlich ähnliche Steuerprogramme, und ob das alles wirklich sinnvoll ist, darf bezweifelt werden. Jeder Volkswirt hat einmal gelernt, daß Steuern immer zu Wohlfahrtsverlusten führen. Som Mittal, Chef der Nasscom, meint dazu allen Ernstes, man müsse den IT-Exporteuren schließlich ein wenig Zeit geben, sich an die verschärften Marktbedingungen des schwachen Dollars und der Rupee-Aufwertung anzupassen. Das ist Jammern auf hohem Niveau: Der indische IT-Markt ist im vergangenen Jahr um 33% gewachsen. Da muss man im Export (nur 28% Wachstum!) schonmal nachhelfen.
Das Ottawa Business Journal beschreibt die Entwicklung in Indien in seinem Beitrag "Eastern promises..." kritisch: Das indische Personalwesen mit seinen steilen Hierarchien basiert auf raschen Beförderungen. Die Karriereleiter vom Entwickler zum Teamlead, weiter zum Manager und zum "Solution Architect" muss innert weniger Jahre erklommen werden. Wenn jemand auch nur für kurze Zeit auf einer Stufe verweilt, kann er in den Augen seiner Kollegen schnell Schaden nehmen – in einer beziehungsgesteuerten Gesellschaft wie der indischen noch eher als in der westlichen Welt. Das führt dazu, dass immer mehr Häuptlinge über immer weniger Ind(ian)er gebieten – der Kampf um Entwickler auf dem Einstiegslevel ist inzwischen so heftig, dass Arbeit bereits nach China weiter out-ge-sourced (oder heisst es ge-out-sourced?) wird. Osteuropa wird als Alternative angeführt, Rumänien beispielsweise, oder eben die Ukraine. Aber das wissen die Leser dieses Blogs ja eh schon (Siehe hier).
Anderes Land, anderer Branchenverband, anderer Markt: Wenn die IT-Absolventen der Exzellenz-Uni Freiburg sich nach ihrer Ausbildung nach einem Job umsehen, haben sie, so die lokale Befürchtung, die Fernbrille auf. Der nächste Arbeitgeber liegt aber nicht in Walldorf, sondern unter Umständen in der direkten Nachbarschaft zur Universität: Freiburg hat eine lebendige Technologieszene; bekannte Größen wie United Planet oder Lexware werden flankiert von Nischenanbietern wie dem ÖPNV-Spezialisten highQ oder den Excel-Profis von Jedox. Genug Softwarepower, um auch anspruchsvolle Exzellenz-Absolventen anzuziehen. Die Fachgruppe Software des regionalen Business-Netzwerks "Medienforum Freiburg" hat es sich aktuell zur Aufgabe gemacht, den Absolventen die Einsicht zu vermitteln, daß der Standort Freiburg sich nicht nur zum Studieren und Feiern, sondern auch zum Arbeiten und Feiern eignet. Zunächst wird sich die Fachgruppe nun insbesondere beim Sommerfest der Informatiker einbringen und dieses nicht nur finanziell sondern auch informativ unterstützen – beim Feiern ist der Erkenntnisgewinn über die Standortvorteile Freiburgs als Arbeitsplatz dann hoffentlich hinreichend hoch.
Das Ottawa Business Journal beschreibt die Entwicklung in Indien in seinem Beitrag "Eastern promises..." kritisch: Das indische Personalwesen mit seinen steilen Hierarchien basiert auf raschen Beförderungen. Die Karriereleiter vom Entwickler zum Teamlead, weiter zum Manager und zum "Solution Architect" muss innert weniger Jahre erklommen werden. Wenn jemand auch nur für kurze Zeit auf einer Stufe verweilt, kann er in den Augen seiner Kollegen schnell Schaden nehmen – in einer beziehungsgesteuerten Gesellschaft wie der indischen noch eher als in der westlichen Welt. Das führt dazu, dass immer mehr Häuptlinge über immer weniger Ind(ian)er gebieten – der Kampf um Entwickler auf dem Einstiegslevel ist inzwischen so heftig, dass Arbeit bereits nach China weiter out-ge-sourced (oder heisst es ge-out-sourced?) wird. Osteuropa wird als Alternative angeführt, Rumänien beispielsweise, oder eben die Ukraine. Aber das wissen die Leser dieses Blogs ja eh schon (Siehe hier).
Anderes Land, anderer Branchenverband, anderer Markt: Wenn die IT-Absolventen der Exzellenz-Uni Freiburg sich nach ihrer Ausbildung nach einem Job umsehen, haben sie, so die lokale Befürchtung, die Fernbrille auf. Der nächste Arbeitgeber liegt aber nicht in Walldorf, sondern unter Umständen in der direkten Nachbarschaft zur Universität: Freiburg hat eine lebendige Technologieszene; bekannte Größen wie United Planet oder Lexware werden flankiert von Nischenanbietern wie dem ÖPNV-Spezialisten highQ oder den Excel-Profis von Jedox. Genug Softwarepower, um auch anspruchsvolle Exzellenz-Absolventen anzuziehen. Die Fachgruppe Software des regionalen Business-Netzwerks "Medienforum Freiburg" hat es sich aktuell zur Aufgabe gemacht, den Absolventen die Einsicht zu vermitteln, daß der Standort Freiburg sich nicht nur zum Studieren und Feiern, sondern auch zum Arbeiten und Feiern eignet. Zunächst wird sich die Fachgruppe nun insbesondere beim Sommerfest der Informatiker einbringen und dieses nicht nur finanziell sondern auch informativ unterstützen – beim Feiern ist der Erkenntnisgewinn über die Standortvorteile Freiburgs als Arbeitsplatz dann hoffentlich hinreichend hoch.
Samstag, 26. April 2008
Offshore Outsourcing stirbt!
Ich bewundere täglich aufs Neue das Stehvermögen und die Disziplin mancher asiatischer und osteuropäischer IT-Anbieter. Tag für Tag arbeiten sie unbeirrt ihre Vertriebslisten ab, sagen am Telefon ihre Sprüchlein auf, versenden ihre www-Adressen und Broschüren und notieren eifrig Kundenwünsche. Oder sollte ich besser sagen: Nicht-Kundenwünsche ? Das scheint näher an der Wahrheit zu liegen: Asiatische IT-Firmen klagen über den hohen Aufwand und die mässigen Erfolge ihrer Vertriebsanstrengungen bei Endkunden.
Neulich gestand mir ein technischer Einkäufer eines deutschen, milliardenschweren Handelsunternehmens – ein Traumkunde für jeden Global Sourcing-Anbieter – daß er nicht verstehe, was da angeboten wird. Ich glaube ihm das. Technologie- und Softwareanbieter aus dem fernen Ausland neigen dazu, mit unverständlichen, ans dadaistische grenzenden Aussagen zu werben („We give RFP in 24 hours!“) oder schmücken sich mit den irrsinnigsten Beinahe-Zertifikaten („we work with processes oriented along CMM level 4, and MS Gold is expected by Q4!“). Selbst wenn man sich auf der CeBIT 10 Minuten lang mit einem Anbieter unterhält, hat man dannach keine Ahnung, was er eigentlich verkaufen will. Auch für Experten mit einigen Jahren Erfahrung im asiatischen Technologiekontext ist es mitunter mühsam, herauszuarbeiten, was einen Anbieter wirklich aus der Masse herausheben und ihn zu einem attraktiven Partner machen könnte.
Damit Aufträge vergeben werden, müssen Anbieter und Nachfrager übereinkommen – und das passiert oftmals, und gerade auf solchen Messen, eben nicht. Die Anbieter können nicht einfach und sinnvoll erklären, was sie anbieten, und die Nachfrage sind ob der Komplexität der Informationen zu verwirrt, um irgendeine Entscheidung zu treffen. Meine Beobachtung ist: Der Bedarf besteht, aber er findet oftmals keine verständliche Antwort.
Das ist zunächst mal natürlich schlecht – einige der Anbieter werden das nicht überleben, ihre Angebote werden vom Markt verschwinden obwohl sie eigentlich gut waren, nur eben nicht gut verkauft. Auf lange Sicht ist die Entwicklung aber dann doch wieder gut, denn sie zeigt vor allem eins: Die Offshore-Outsourcing Branche reift. Sie ist erwachsen geworden. Sie ist heute komplex und steckt voller subtiler Details. Und, ganz wichtig: Die Nachfrager behandeln Global Sourcing / Offshore Outsourcing zunehmend wie Infrastruktur.
Die Offshore Outsourcing Industrie wird sterben. Nicht im eigentlichen Sinne – es wird in der Informationstechnologie immer globale Zusammenarbeit geben, solange die Transaktionskosten fast bei Null liegen – aber es wird für die Endanwender, die letztendlichen Nachfrager nach IT-Lösungen, keinen Grund mehr geben, sich auf der Cebit bei den indischen, tschechischen oder philipinischen Anbietern verwirren zu lassen. Wenn etwas zur Infrastruktur geworden ist, so wie Stromversorgung oder Internetverbindung, interessieren sich nur noch wenige für die Details der Herstellung. Es zählen nur noch Ergebnisse. Innovative, globale Wertschöpfungsketten sind nur noch interessant für Hersteller – deren Aufgabe ist es, attraktive Pakete zu schnüren, welche die Kunden dann kaufen wollen.
Niemand will „Offshore Outsourcing“ kaufen. Kunden wollen Lösungen: Datenbankanbindungen, SAP-Reports, Migrationen von A nach B. Sie wollen es schnell, qualitativ einwandfrei und möglichst günstig. Sie wollen sich nicht in fremde Kulturen einarbeiten, sie können auf verrauschte Telefonkonferenzen rund um den Globus verzichten, sie brauchen auch keine 3,5 Stunden Security-Wartezeit im Indira Gandhi Airport wenn sie mal „ihr Team“ besuchen waren. Sie wollen nichts damit zu tun haben. DAS ist die Zukunft von Offshore Outsourcing.
Stellen Sie sich vor, ein asiatischer Betreiber eines Schreibbüros müsste einer deutschen Anwaltskanzlei seine Dienste verkaufen. Er hätte einen schweren Stand, denn die Errungenschaften seiner Branche wären schwer zu vermitteln: Verschlüsselung von Übertragung von diktierten Inhalten über das Internet, Webportale mit Bereichen zum Hinterlegen von Diktaten und Dokumenten, Qualitätssicherung, Datenschutzvereinbarungen, ausgefeilte Trainingscurricula für die Mitarbeiter etc. Der Anwalt möchte einfach nur seinen Schriftsatz, und zwar fehlerfrei, schnell und zu bezahlbaren Kosten. Wie das en detail funktioniert, interessiert ihn überhaupt nicht. Daher werden solche Dienstleistungen auch nicht an Anwaltskanzleien, sondern an Bürodienstleister verkauft. Airbags (als Teil einer Sicherheits-Gesamtlösung) werden ja auch nicht an Autofahrer verkauft, sondern an Autohersteller. Ein Callcenter in Indien (als Teil eines Service-Pakets für Handies) wird nicht den Handybenutzern verkauft, sondern der Telekom. Software As A Service (SaaS) ist ein schönes Beispiel: Wen interessiert, wie Salesforce.com im Hintergrund funktioniert ? Hauptsache, meine Aktivitäten werden zuverlässig verwaltet!
Die CeBIT wird nun nicht völlig auf ihren Offshore Outsourcing Bereich verzichten. Dafür ist das Thema zu wichtig. Aber sie wird nicht mehr ganze Hallen dafür vorsehen, obschon immer wieder innovative Anbieter von Global Sourcing Ideen neue Produkte und alternative Wege für die Branche aufzeigen werden. Der Fokus der Branche wird sich jedoch von der breiten Masse zu einer stark verdichteten Gemeinde von Global Sourcing Profis verlagern. Auf fokussierten, hochkarätig besetzten Fachkongressen und Veranstaltungen werden sich die Macher der Industrie austauschen, werden die asiatischen und osteuropäischen Global Sourcing Anbieter mit den Technologieführeren Europas verhandeln und Angebot und Nachfrage zusammen bringen.
Neulich gestand mir ein technischer Einkäufer eines deutschen, milliardenschweren Handelsunternehmens – ein Traumkunde für jeden Global Sourcing-Anbieter – daß er nicht verstehe, was da angeboten wird. Ich glaube ihm das. Technologie- und Softwareanbieter aus dem fernen Ausland neigen dazu, mit unverständlichen, ans dadaistische grenzenden Aussagen zu werben („We give RFP in 24 hours!“) oder schmücken sich mit den irrsinnigsten Beinahe-Zertifikaten („we work with processes oriented along CMM level 4, and MS Gold is expected by Q4!“). Selbst wenn man sich auf der CeBIT 10 Minuten lang mit einem Anbieter unterhält, hat man dannach keine Ahnung, was er eigentlich verkaufen will. Auch für Experten mit einigen Jahren Erfahrung im asiatischen Technologiekontext ist es mitunter mühsam, herauszuarbeiten, was einen Anbieter wirklich aus der Masse herausheben und ihn zu einem attraktiven Partner machen könnte.
Damit Aufträge vergeben werden, müssen Anbieter und Nachfrager übereinkommen – und das passiert oftmals, und gerade auf solchen Messen, eben nicht. Die Anbieter können nicht einfach und sinnvoll erklären, was sie anbieten, und die Nachfrage sind ob der Komplexität der Informationen zu verwirrt, um irgendeine Entscheidung zu treffen. Meine Beobachtung ist: Der Bedarf besteht, aber er findet oftmals keine verständliche Antwort.
Das ist zunächst mal natürlich schlecht – einige der Anbieter werden das nicht überleben, ihre Angebote werden vom Markt verschwinden obwohl sie eigentlich gut waren, nur eben nicht gut verkauft. Auf lange Sicht ist die Entwicklung aber dann doch wieder gut, denn sie zeigt vor allem eins: Die Offshore-Outsourcing Branche reift. Sie ist erwachsen geworden. Sie ist heute komplex und steckt voller subtiler Details. Und, ganz wichtig: Die Nachfrager behandeln Global Sourcing / Offshore Outsourcing zunehmend wie Infrastruktur.
Die Offshore Outsourcing Industrie wird sterben. Nicht im eigentlichen Sinne – es wird in der Informationstechnologie immer globale Zusammenarbeit geben, solange die Transaktionskosten fast bei Null liegen – aber es wird für die Endanwender, die letztendlichen Nachfrager nach IT-Lösungen, keinen Grund mehr geben, sich auf der Cebit bei den indischen, tschechischen oder philipinischen Anbietern verwirren zu lassen. Wenn etwas zur Infrastruktur geworden ist, so wie Stromversorgung oder Internetverbindung, interessieren sich nur noch wenige für die Details der Herstellung. Es zählen nur noch Ergebnisse. Innovative, globale Wertschöpfungsketten sind nur noch interessant für Hersteller – deren Aufgabe ist es, attraktive Pakete zu schnüren, welche die Kunden dann kaufen wollen.
Niemand will „Offshore Outsourcing“ kaufen. Kunden wollen Lösungen: Datenbankanbindungen, SAP-Reports, Migrationen von A nach B. Sie wollen es schnell, qualitativ einwandfrei und möglichst günstig. Sie wollen sich nicht in fremde Kulturen einarbeiten, sie können auf verrauschte Telefonkonferenzen rund um den Globus verzichten, sie brauchen auch keine 3,5 Stunden Security-Wartezeit im Indira Gandhi Airport wenn sie mal „ihr Team“ besuchen waren. Sie wollen nichts damit zu tun haben. DAS ist die Zukunft von Offshore Outsourcing.
Stellen Sie sich vor, ein asiatischer Betreiber eines Schreibbüros müsste einer deutschen Anwaltskanzlei seine Dienste verkaufen. Er hätte einen schweren Stand, denn die Errungenschaften seiner Branche wären schwer zu vermitteln: Verschlüsselung von Übertragung von diktierten Inhalten über das Internet, Webportale mit Bereichen zum Hinterlegen von Diktaten und Dokumenten, Qualitätssicherung, Datenschutzvereinbarungen, ausgefeilte Trainingscurricula für die Mitarbeiter etc. Der Anwalt möchte einfach nur seinen Schriftsatz, und zwar fehlerfrei, schnell und zu bezahlbaren Kosten. Wie das en detail funktioniert, interessiert ihn überhaupt nicht. Daher werden solche Dienstleistungen auch nicht an Anwaltskanzleien, sondern an Bürodienstleister verkauft. Airbags (als Teil einer Sicherheits-Gesamtlösung) werden ja auch nicht an Autofahrer verkauft, sondern an Autohersteller. Ein Callcenter in Indien (als Teil eines Service-Pakets für Handies) wird nicht den Handybenutzern verkauft, sondern der Telekom. Software As A Service (SaaS) ist ein schönes Beispiel: Wen interessiert, wie Salesforce.com im Hintergrund funktioniert ? Hauptsache, meine Aktivitäten werden zuverlässig verwaltet!
Die CeBIT wird nun nicht völlig auf ihren Offshore Outsourcing Bereich verzichten. Dafür ist das Thema zu wichtig. Aber sie wird nicht mehr ganze Hallen dafür vorsehen, obschon immer wieder innovative Anbieter von Global Sourcing Ideen neue Produkte und alternative Wege für die Branche aufzeigen werden. Der Fokus der Branche wird sich jedoch von der breiten Masse zu einer stark verdichteten Gemeinde von Global Sourcing Profis verlagern. Auf fokussierten, hochkarätig besetzten Fachkongressen und Veranstaltungen werden sich die Macher der Industrie austauschen, werden die asiatischen und osteuropäischen Global Sourcing Anbieter mit den Technologieführeren Europas verhandeln und Angebot und Nachfrage zusammen bringen.
Samstag, 19. April 2008
7 Jahre in ...
Ich werde langsam alt: Ich habe gerade ein Paper zum Thema „Offshore-Outsourcing“ wiedergefunden, welches ich vor sage und schreibe sieben Jahren verfasst habe. Wie schön: Es stimmt alles im Großen und Ganzen auch heute noch. Die Gewichtungen haben sich ein wenig verschoben, es wird heute routinierter und realitätsnäher mit dem Thema umgegangen. Vor sieben Jahren wurden noch ausführliche, bis ins kleinste Detail durchdefinierte Anforderungen übergeben – heute wird zunehmend auf agile Methoden vertraut, die der Tatsache Rechnung tragen, daß die tatsächlichen Anforderungen an eine Softwarelösung oft erst während ihrer Entstehung deutlich hervor treten. Auch die früher üblichen Mammutverträge, mitunter hunderte von Seiten stark in dem Versuch, auch das unwahrscheinlichste juristische Schlupfloch zu verlegen, sind zumeist flexiblen, auf beiderseitiger Motivation beruhenden Absprachen gewichen. (Ein paar aktuelle Überlegungen dazu im CIO magazine.) Die Branche ist auch etwas älter geworden, vieles ist nicht mehr so schrecklich aufregend sondern gute betriebliche Praxis geworden, oder wie es auf neudeutsch heisst: Best practices haben sich herausgebildet. Dazu gehört auch, das nicht jede Firma, die erstmals Aufträge ins ferne Ausland vergibt, das Rad neu erfindet, sondern sich viele von Beginn an professionellen Rat holen.
Das jährliche India-Symposium der Schweizer Hochschule St. Gallen ist wahrscheinlich das beste in Europa. Schon beim ersten Forum 2005 war der indische Botschafter anwesend, Vorstände und akademische Autoritäten bevölkerten die Referentenliste. Heuer, beim vierten India-Symposium, liest sich der Prospekt der Referenten und Ehrengäste wie das Who-is-who der indischen Technologie- und Industrieszene. Vom Infosys-Gründer bis zu Indiens Mercedes-Benz-Chef sind sie alle da. Dr. Sigu Muringaseril, Gründer, Vorsitzender und Evangelist der Veranstaltung, ist Leiter des India Portfolio am Asia Research Center der Hochschule St. Gallen. Sein besonderes Augenmerk gilt dem strategischen Geschäftsbereich "Academia-to-Business (A-2-B)". Termin: 22. August 2008. Programm und Registrierung hier. Ich werde berichten.
Forrester hat eine neue Studie "Offshoring Strategies For Continental European Firms" veröffentlicht, in der – nicht überraschend – steht, dass Offshore-Outsourcing in Europa im Kommen ist. Das ist unter anderem deswegen wichtig, weil die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft und die resultierende Aufwertung der indischen Rupie eine besondere Motivation für indische Anbieter darstellt, den europäischen Markt anzugehen. Tata Consultancy Services hatte seine Absichten für den deutschen Markt ja bereits deutlich formuliert (siehe meinen Blog-Beitrag vom 19.01.2008), andere werden folgen: Die indischen Anbieter bereiten sich intensiv auf den europäischen Markt vor. Deutsche und europäische Unternehmen, die ihre Zurückhaltung jetzt ablegen und die Inanspruchnahme dieser Services vorbereiten, können (noch!) frühe Vögel sein und den Wurm fangen.
Das jährliche India-Symposium der Schweizer Hochschule St. Gallen ist wahrscheinlich das beste in Europa. Schon beim ersten Forum 2005 war der indische Botschafter anwesend, Vorstände und akademische Autoritäten bevölkerten die Referentenliste. Heuer, beim vierten India-Symposium, liest sich der Prospekt der Referenten und Ehrengäste wie das Who-is-who der indischen Technologie- und Industrieszene. Vom Infosys-Gründer bis zu Indiens Mercedes-Benz-Chef sind sie alle da. Dr. Sigu Muringaseril, Gründer, Vorsitzender und Evangelist der Veranstaltung, ist Leiter des India Portfolio am Asia Research Center der Hochschule St. Gallen. Sein besonderes Augenmerk gilt dem strategischen Geschäftsbereich "Academia-to-Business (A-2-B)". Termin: 22. August 2008. Programm und Registrierung hier. Ich werde berichten.
Forrester hat eine neue Studie "Offshoring Strategies For Continental European Firms" veröffentlicht, in der – nicht überraschend – steht, dass Offshore-Outsourcing in Europa im Kommen ist. Das ist unter anderem deswegen wichtig, weil die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft und die resultierende Aufwertung der indischen Rupie eine besondere Motivation für indische Anbieter darstellt, den europäischen Markt anzugehen. Tata Consultancy Services hatte seine Absichten für den deutschen Markt ja bereits deutlich formuliert (siehe meinen Blog-Beitrag vom 19.01.2008), andere werden folgen: Die indischen Anbieter bereiten sich intensiv auf den europäischen Markt vor. Deutsche und europäische Unternehmen, die ihre Zurückhaltung jetzt ablegen und die Inanspruchnahme dieser Services vorbereiten, können (noch!) frühe Vögel sein und den Wurm fangen.
Samstag, 29. März 2008
Die Mischkalkulation ist dein Freund
„Mit diesem niedrigen Gehalt zerstört Ihr doch nur die Arbeitsplätze“ wurden wir gelegentlich angezischt, wenn wir den Job einer qualifizierten Kraft wieder einmal für weniger als fünf Mark die Stunde erledigt hatten. Wir erledigten dieselben Jobs wie unsere dreifach so gut bezahlten Kollegen, unsere Kunden wussten oftmals nicht, wer eigentlich Fachkraft und wer Billigarbeiter war…Halt! Das hat mit IT oder mit Offshoring nichts zu tun, sondern war der Arbeitsalltag während meines Zivildienstes in den 80er Jahren, als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Der Markt für Rettungsdienste und Krankentransport war gerade frisch dereguliert worden, private Anbieter etablierten sich, die Mischkalkulation war für das DRK damals die einzige Möglichkeit, gegen den Wettbewerb wirtschaftlich zu überleben. Durch die Beschäftigung von kostengünstigen Kräften parallel zum Kernteam wurde insgesamt ein akzeptables Lohnkostenniveau erreicht, um den öffentlichen Versorgungsauftrag zu den armseligen Erstattungssätzen der Kostenträger erfüllen zu können.
Übertragen auf die Offshore-Vergabe von Softwareaufträgen hinkt das Beispiel natürlich gewaltig. Einzig das Phänomen Mischkalkulation ist dasselbe: Nur wenn die Kollegen in Indien, China und Osteuropa unseren durchschnittlichen Kostensatz drücken, bleiben wir wettbewerbs- und am Markt überlebensfähig. Wenn sich die Kosten der Softwareentwicklung langfristig nicht unter den erzielbaren Ertrag drücken lassen, wird der Chef irgendwann die Produktion einstellen müssen. Und da gibt’s dann keinen öffentlichen Auftrag mehr, sondern höchstens noch den feixenden Wettbewerber, der sich längst ein schlankes Programmierer-Kernteam mit Zuarbeitern in der ganzen Welt eingerichtet hat. -
Neulich rief mich eine Londoner Agentur an: Bei rund 20 Leuten in der Softwareentwicklung beschäftige man außerdem zwei Outsourcing-Partner. Einen aus Asien, einen aus Osteuropa, man sei auch sehr zufrieden – wolle aber auf mehr als nur zwei Beinen stehen. Ob ich ihnen bitte eine maßgeschneiderte Empfehlung für zwei weitere Offshore-Partner erstellen könne. Nach zwei ausführlichen Telefonaten zu den vorhandenen Prozessen und den technologischen Anforderungen mache ich mich an die Recherche…und bin beeindruckt von der Weitsicht dieses Kunden. Nicht nur weil er mich beauftragt (das spricht natürlich ganz gewaltig für ihn :-)), sondern weil seine Offshore-Partnerschaften Teil seines regulären Risiko- und Portfoliomanagements geworden sind. -
Letztlich: Eigentlich war ich ja sicher, dass schon letztes Jahr entweder Tata Consultancy Services, Infosys oder Wipro eine der westlichen „Big Five“ Managementberatungen übernehmen würde. Einstweilen hat sich Ratan Tata die ehemals britischen Edelmarken Jaguar und Land Rover genehmigt. Der Countdown läuft…
Übertragen auf die Offshore-Vergabe von Softwareaufträgen hinkt das Beispiel natürlich gewaltig. Einzig das Phänomen Mischkalkulation ist dasselbe: Nur wenn die Kollegen in Indien, China und Osteuropa unseren durchschnittlichen Kostensatz drücken, bleiben wir wettbewerbs- und am Markt überlebensfähig. Wenn sich die Kosten der Softwareentwicklung langfristig nicht unter den erzielbaren Ertrag drücken lassen, wird der Chef irgendwann die Produktion einstellen müssen. Und da gibt’s dann keinen öffentlichen Auftrag mehr, sondern höchstens noch den feixenden Wettbewerber, der sich längst ein schlankes Programmierer-Kernteam mit Zuarbeitern in der ganzen Welt eingerichtet hat. -
Neulich rief mich eine Londoner Agentur an: Bei rund 20 Leuten in der Softwareentwicklung beschäftige man außerdem zwei Outsourcing-Partner. Einen aus Asien, einen aus Osteuropa, man sei auch sehr zufrieden – wolle aber auf mehr als nur zwei Beinen stehen. Ob ich ihnen bitte eine maßgeschneiderte Empfehlung für zwei weitere Offshore-Partner erstellen könne. Nach zwei ausführlichen Telefonaten zu den vorhandenen Prozessen und den technologischen Anforderungen mache ich mich an die Recherche…und bin beeindruckt von der Weitsicht dieses Kunden. Nicht nur weil er mich beauftragt (das spricht natürlich ganz gewaltig für ihn :-)), sondern weil seine Offshore-Partnerschaften Teil seines regulären Risiko- und Portfoliomanagements geworden sind. -
Letztlich: Eigentlich war ich ja sicher, dass schon letztes Jahr entweder Tata Consultancy Services, Infosys oder Wipro eine der westlichen „Big Five“ Managementberatungen übernehmen würde. Einstweilen hat sich Ratan Tata die ehemals britischen Edelmarken Jaguar und Land Rover genehmigt. Der Countdown läuft…
Abonnieren
Kommentare (Atom)