Freitag, 9. Mai 2008

Die NASSCOM und das Freiburger Medienforum

Wussten Sie eigentlich, daß ihre Programmierfirma in Indien keine Steuern zahlt? Ganz legal – der sogenannte Tax Holiday für die indischen Softwareexporteure gilt seit April 2000. Aktuell wird er um ein Jahr verlängert, sonst wäre er nächsten März ausgelaufen. Die Nasscom, Speerspitze der indischen Software-Lobby, hat also offenbar ihren Job gemacht. Wo man sich angesichts gesperrter US-Arbeitsvisa noch in liberaler Rhetorik für Reisefreiheit und unbehinderte Wertschöpfung stark machte, will man nun mit der Steuerpolitik die eigene Softwarebranche vor der Konkurrenz aus Vietnam und den Philippinen schützen. Dort gelten natürlich ähnliche Steuerprogramme, und ob das alles wirklich sinnvoll ist, darf bezweifelt werden. Jeder Volkswirt hat einmal gelernt, daß Steuern immer zu Wohlfahrtsverlusten führen. Som Mittal, Chef der Nasscom, meint dazu allen Ernstes, man müsse den IT-Exporteuren schließlich ein wenig Zeit geben, sich an die verschärften Marktbedingungen des schwachen Dollars und der Rupee-Aufwertung anzupassen. Das ist Jammern auf hohem Niveau: Der indische IT-Markt ist im vergangenen Jahr um 33% gewachsen. Da muss man im Export (nur 28% Wachstum!) schonmal nachhelfen.

Das Ottawa Business Journal beschreibt die Entwicklung in Indien in seinem Beitrag "Eastern promises..." kritisch: Das indische Personalwesen mit seinen steilen Hierarchien basiert auf raschen Beförderungen. Die Karriereleiter vom Entwickler zum Teamlead, weiter zum Manager und zum "Solution Architect" muss innert weniger Jahre erklommen werden. Wenn jemand auch nur für kurze Zeit auf einer Stufe verweilt, kann er in den Augen seiner Kollegen schnell Schaden nehmen – in einer beziehungsgesteuerten Gesellschaft wie der indischen noch eher als in der westlichen Welt. Das führt dazu, dass immer mehr Häuptlinge über immer weniger Ind(ian)er gebieten – der Kampf um Entwickler auf dem Einstiegslevel ist inzwischen so heftig, dass Arbeit bereits nach China weiter out-ge-sourced (oder heisst es ge-out-sourced?) wird. Osteuropa wird als Alternative angeführt, Rumänien beispielsweise, oder eben die Ukraine. Aber das wissen die Leser dieses Blogs ja eh schon (Siehe hier).


Anderes Land, anderer Branchenverband, anderer Markt: Wenn die IT-Absolventen der Exzellenz-Uni Freiburg sich nach ihrer Ausbildung nach einem Job umsehen, haben sie, so die lokale Befürchtung, die Fernbrille auf. Der nächste Arbeitgeber liegt aber nicht in Walldorf, sondern unter Umständen in der direkten Nachbarschaft zur Universität: Freiburg hat eine lebendige Technologieszene; bekannte Größen wie United Planet oder Lexware werden flankiert von Nischenanbietern wie dem ÖPNV-Spezialisten highQ oder den Excel-Profis von Jedox. Genug Softwarepower, um auch anspruchsvolle Exzellenz-Absolventen anzuziehen. Die Fachgruppe Software des regionalen Business-Netzwerks "Medienforum Freiburg" hat es sich aktuell zur Aufgabe gemacht, den Absolventen die Einsicht zu vermitteln, daß der Standort Freiburg sich nicht nur zum Studieren und Feiern, sondern auch zum Arbeiten und Feiern eignet. Zunächst wird sich die Fachgruppe nun insbesondere beim Sommerfest der Informatiker einbringen und dieses nicht nur finanziell sondern auch informativ unterstützen – beim Feiern ist der Erkenntnisgewinn über die Standortvorteile Freiburgs als Arbeitsplatz dann hoffentlich hinreichend hoch.

Samstag, 26. April 2008

Offshore Outsourcing stirbt!

Ich bewundere täglich aufs Neue das Stehvermögen und die Disziplin mancher asiatischer und osteuropäischer IT-Anbieter. Tag für Tag arbeiten sie unbeirrt ihre Vertriebslisten ab, sagen am Telefon ihre Sprüchlein auf, versenden ihre www-Adressen und Broschüren und notieren eifrig Kundenwünsche. Oder sollte ich besser sagen: Nicht-Kundenwünsche ? Das scheint näher an der Wahrheit zu liegen: Asiatische IT-Firmen klagen über den hohen Aufwand und die mässigen Erfolge ihrer Vertriebsanstrengungen bei Endkunden.

Neulich gestand mir ein technischer Einkäufer eines deutschen, milliardenschweren Handelsunternehmens – ein Traumkunde für jeden Global Sourcing-Anbieter – daß er nicht verstehe, was da angeboten wird. Ich glaube ihm das. Technologie- und Softwareanbieter aus dem fernen Ausland neigen dazu, mit unverständlichen, ans dadaistische grenzenden Aussagen zu werben („We give RFP in 24 hours!“) oder schmücken sich mit den irrsinnigsten Beinahe-Zertifikaten („we work with processes oriented along CMM level 4, and MS Gold is expected by Q4!“). Selbst wenn man sich auf der CeBIT 10 Minuten lang mit einem Anbieter unterhält, hat man dannach keine Ahnung, was er eigentlich verkaufen will. Auch für Experten mit einigen Jahren Erfahrung im asiatischen Technologiekontext ist es mitunter mühsam, herauszuarbeiten, was einen Anbieter wirklich aus der Masse herausheben und ihn zu einem attraktiven Partner machen könnte.

Damit Aufträge vergeben werden, müssen Anbieter und Nachfrager übereinkommen – und das passiert oftmals, und gerade auf solchen Messen, eben nicht. Die Anbieter können nicht einfach und sinnvoll erklären, was sie anbieten, und die Nachfrage sind ob der Komplexität der Informationen zu verwirrt, um irgendeine Entscheidung zu treffen. Meine Beobachtung ist: Der Bedarf besteht, aber er findet oftmals keine verständliche Antwort.

Das ist zunächst mal natürlich schlecht – einige der Anbieter werden das nicht überleben, ihre Angebote werden vom Markt verschwinden obwohl sie eigentlich gut waren, nur eben nicht gut verkauft. Auf lange Sicht ist die Entwicklung aber dann doch wieder gut, denn sie zeigt vor allem eins: Die Offshore-Outsourcing Branche reift. Sie ist erwachsen geworden. Sie ist heute komplex und steckt voller subtiler Details. Und, ganz wichtig: Die Nachfrager behandeln Global Sourcing / Offshore Outsourcing zunehmend wie Infrastruktur.

Die Offshore Outsourcing Industrie wird sterben. Nicht im eigentlichen Sinne – es wird in der Informationstechnologie immer globale Zusammenarbeit geben, solange die Transaktionskosten fast bei Null liegen – aber es wird für die Endanwender, die letztendlichen Nachfrager nach IT-Lösungen, keinen Grund mehr geben, sich auf der Cebit bei den indischen, tschechischen oder philipinischen Anbietern verwirren zu lassen. Wenn etwas zur Infrastruktur geworden ist, so wie Stromversorgung oder Internetverbindung, interessieren sich nur noch wenige für die Details der Herstellung. Es zählen nur noch Ergebnisse. Innovative, globale Wertschöpfungsketten sind nur noch interessant für Hersteller – deren Aufgabe ist es, attraktive Pakete zu schnüren, welche die Kunden dann kaufen wollen.

Niemand will „Offshore Outsourcing“ kaufen. Kunden wollen Lösungen: Datenbankanbindungen, SAP-Reports, Migrationen von A nach B. Sie wollen es schnell, qualitativ einwandfrei und möglichst günstig. Sie wollen sich nicht in fremde Kulturen einarbeiten, sie können auf verrauschte Telefonkonferenzen rund um den Globus verzichten, sie brauchen auch keine 3,5 Stunden Security-Wartezeit im Indira Gandhi Airport wenn sie mal „ihr Team“ besuchen waren. Sie wollen nichts damit zu tun haben. DAS ist die Zukunft von Offshore Outsourcing.

Stellen Sie sich vor, ein asiatischer Betreiber eines Schreibbüros müsste einer deutschen Anwaltskanzlei seine Dienste verkaufen. Er hätte einen schweren Stand, denn die Errungenschaften seiner Branche wären schwer zu vermitteln: Verschlüsselung von Übertragung von diktierten Inhalten über das Internet, Webportale mit Bereichen zum Hinterlegen von Diktaten und Dokumenten, Qualitätssicherung, Datenschutzvereinbarungen, ausgefeilte Trainingscurricula für die Mitarbeiter etc. Der Anwalt möchte einfach nur seinen Schriftsatz, und zwar fehlerfrei, schnell und zu bezahlbaren Kosten. Wie das en detail funktioniert, interessiert ihn überhaupt nicht. Daher werden solche Dienstleistungen auch nicht an Anwaltskanzleien, sondern an Bürodienstleister verkauft. Airbags (als Teil einer Sicherheits-Gesamtlösung) werden ja auch nicht an Autofahrer verkauft, sondern an Autohersteller. Ein Callcenter in Indien (als Teil eines Service-Pakets für Handies) wird nicht den Handybenutzern verkauft, sondern der Telekom. Software As A Service (SaaS) ist ein schönes Beispiel: Wen interessiert, wie Salesforce.com im Hintergrund funktioniert ? Hauptsache, meine Aktivitäten werden zuverlässig verwaltet!

Die CeBIT wird nun nicht völlig auf ihren Offshore Outsourcing Bereich verzichten. Dafür ist das Thema zu wichtig. Aber sie wird nicht mehr ganze Hallen dafür vorsehen, obschon immer wieder innovative Anbieter von Global Sourcing Ideen neue Produkte und alternative Wege für die Branche aufzeigen werden. Der Fokus der Branche wird sich jedoch von der breiten Masse zu einer stark verdichteten Gemeinde von Global Sourcing Profis verlagern. Auf fokussierten, hochkarätig besetzten Fachkongressen und Veranstaltungen werden sich die Macher der Industrie austauschen, werden die asiatischen und osteuropäischen Global Sourcing Anbieter mit den Technologieführeren Europas verhandeln und Angebot und Nachfrage zusammen bringen.

Samstag, 19. April 2008

7 Jahre in ...

Ich werde langsam alt: Ich habe gerade ein Paper zum Thema „Offshore-Outsourcing“ wiedergefunden, welches ich vor sage und schreibe sieben Jahren verfasst habe. Wie schön: Es stimmt alles im Großen und Ganzen auch heute noch. Die Gewichtungen haben sich ein wenig verschoben, es wird heute routinierter und realitätsnäher mit dem Thema umgegangen. Vor sieben Jahren wurden noch ausführliche, bis ins kleinste Detail durchdefinierte Anforderungen übergeben – heute wird zunehmend auf agile Methoden vertraut, die der Tatsache Rechnung tragen, daß die tatsächlichen Anforderungen an eine Softwarelösung oft erst während ihrer Entstehung deutlich hervor treten. Auch die früher üblichen Mammutverträge, mitunter hunderte von Seiten stark in dem Versuch, auch das unwahrscheinlichste juristische Schlupfloch zu verlegen, sind zumeist flexiblen, auf beiderseitiger Motivation beruhenden Absprachen gewichen. (Ein paar aktuelle Überlegungen dazu im CIO magazine.) Die Branche ist auch etwas älter geworden, vieles ist nicht mehr so schrecklich aufregend sondern gute betriebliche Praxis geworden, oder wie es auf neudeutsch heisst: Best practices haben sich herausgebildet. Dazu gehört auch, das nicht jede Firma, die erstmals Aufträge ins ferne Ausland vergibt, das Rad neu erfindet, sondern sich viele von Beginn an professionellen Rat holen.

Das jährliche India-Symposium der Schweizer Hochschule St. Gallen ist wahrscheinlich das beste in Europa. Schon beim ersten Forum 2005 war der indische Botschafter anwesend, Vorstände und akademische Autoritäten bevölkerten die Referentenliste. Heuer, beim vierten India-Symposium, liest sich der Prospekt der Referenten und Ehrengäste wie das Who-is-who der indischen Technologie- und Industrieszene. Vom Infosys-Gründer bis zu Indiens Mercedes-Benz-Chef sind sie alle da. Dr. Sigu Muringaseril, Gründer, Vorsitzender und Evangelist der Veranstaltung, ist Leiter des India Portfolio am Asia Research Center der Hochschule St. Gallen. Sein besonderes Augenmerk gilt dem strategischen Geschäftsbereich "Academia-to-Business (A-2-B)". Termin: 22. August 2008. Programm und Registrierung hier. Ich werde berichten.

Forrester hat eine neue Studie "Offshoring Strategies For Continental European Firms" veröffentlicht, in der – nicht überraschend – steht, dass Offshore-Outsourcing in Europa im Kommen ist. Das ist unter anderem deswegen wichtig, weil die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft und die resultierende Aufwertung der indischen Rupie eine besondere Motivation für indische Anbieter darstellt, den europäischen Markt anzugehen. Tata Consultancy Services hatte seine Absichten für den deutschen Markt ja bereits deutlich formuliert (siehe meinen Blog-Beitrag vom 19.01.2008), andere werden folgen: Die indischen Anbieter bereiten sich intensiv auf den europäischen Markt vor. Deutsche und europäische Unternehmen, die ihre Zurückhaltung jetzt ablegen und die Inanspruchnahme dieser Services vorbereiten, können (noch!) frühe Vögel sein und den Wurm fangen.

Samstag, 29. März 2008

Die Mischkalkulation ist dein Freund

„Mit diesem niedrigen Gehalt zerstört Ihr doch nur die Arbeitsplätze“ wurden wir gelegentlich angezischt, wenn wir den Job einer qualifizierten Kraft wieder einmal für weniger als fünf Mark die Stunde erledigt hatten. Wir erledigten dieselben Jobs wie unsere dreifach so gut bezahlten Kollegen, unsere Kunden wussten oftmals nicht, wer eigentlich Fachkraft und wer Billigarbeiter war…Halt! Das hat mit IT oder mit Offshoring nichts zu tun, sondern war der Arbeitsalltag während meines Zivildienstes in den 80er Jahren, als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Der Markt für Rettungsdienste und Krankentransport war gerade frisch dereguliert worden, private Anbieter etablierten sich, die Mischkalkulation war für das DRK damals die einzige Möglichkeit, gegen den Wettbewerb wirtschaftlich zu überleben. Durch die Beschäftigung von kostengünstigen Kräften parallel zum Kernteam wurde insgesamt ein akzeptables Lohnkostenniveau erreicht, um den öffentlichen Versorgungsauftrag zu den armseligen Erstattungssätzen der Kostenträger erfüllen zu können.
Übertragen auf die Offshore-Vergabe von Softwareaufträgen hinkt das Beispiel natürlich gewaltig. Einzig das Phänomen Mischkalkulation ist dasselbe: Nur wenn die Kollegen in Indien, China und Osteuropa unseren durchschnittlichen Kostensatz drücken, bleiben wir wettbewerbs- und am Markt überlebensfähig. Wenn sich die Kosten der Softwareentwicklung langfristig nicht unter den erzielbaren Ertrag drücken lassen, wird der Chef irgendwann die Produktion einstellen müssen. Und da gibt’s dann keinen öffentlichen Auftrag mehr, sondern höchstens noch den feixenden Wettbewerber, der sich längst ein schlankes Programmierer-Kernteam mit Zuarbeitern in der ganzen Welt eingerichtet hat. -

Neulich rief mich eine Londoner Agentur an: Bei rund 20 Leuten in der Softwareentwicklung beschäftige man außerdem zwei Outsourcing-Partner. Einen aus Asien, einen aus Osteuropa, man sei auch sehr zufrieden – wolle aber auf mehr als nur zwei Beinen stehen. Ob ich ihnen bitte eine maßgeschneiderte Empfehlung für zwei weitere Offshore-Partner erstellen könne. Nach zwei ausführlichen Telefonaten zu den vorhandenen Prozessen und den technologischen Anforderungen mache ich mich an die Recherche…und bin beeindruckt von der Weitsicht dieses Kunden. Nicht nur weil er mich beauftragt (das spricht natürlich ganz gewaltig für ihn :-)), sondern weil seine Offshore-Partnerschaften Teil seines regulären Risiko- und Portfoliomanagements geworden sind. -

Letztlich: Eigentlich war ich ja sicher, dass schon letztes Jahr entweder Tata Consultancy Services, Infosys oder Wipro eine der westlichen „Big Five“ Managementberatungen übernehmen würde. Einstweilen hat sich Ratan Tata die ehemals britischen Edelmarken Jaguar und Land Rover genehmigt. Der Countdown läuft…

Samstag, 15. März 2008

Wir rufen immer wieder an ! (Bis unser Job nach Indien wandert)

Und schon wieder klingelt das Handy, Anrufer anonym, Grüß Gott, der T-Mobile-Geschäftskundenservice, ob ich einen Augenblick Zeit hätte. Nein, sage ich, wie immer, ich wünsche keinerlei Anrufe. Och Gott, verlassen Sie sich drauf, wir rufen Sie immer wieder an, sagt die Stimme am anderen Ende und legt auf. Allen Ernstes. Gestern abend, um halb sechs. Ich bin daraufhin, und das passiert mir wirklich nicht oft, sprachlos. (Nun gut, es wäre ja auch keiner mehr in der Leitung gewesen, um mir zuzuhören.)

Nicht zu fassen, oder ? Was mir dabei wirklich rätselhaft ist: Welchen Antrieb hat ein Callcentermitarbeiter, so etwas zu sagen? Es geht ja gar nicht darum, ob der Anruf nun legitim oder nur legal war. Es stört mich jedesmal, ich sage das auch jedesmal, aber offenbar gibt es im CRM-System von T-Mobile keinen Vermerk „dieser seit 10 Jahren treue Kunde wünscht keine Werbe-Anrufe“. Es geht darum, daß T-Mobile offenbar seineMitarbeiter im Callcenter nicht im Griff hat. Oder findet sie einfach keine qualifizierten (oder qualifizierbaren) Leute, die den Job zu seinen Bedingungen erledigen ? Da haben die Callcenter-Mitarbeiter aber enormes Glück, daß in den großen Offshore-Destinationen noch eher mässig Deutsch gesprochen wird. Sonst wäre nämlich bspw. ein indischer Anbieter am Zug, mit knallharten Qualitätskontrollen und einer Mannschaft, für die der Job im Callcenter eine echte Karriere ist. Die sich in ihren Job reinhängen und die wissen, daß jeder einzelne schlechte Eindruck, den der Kunde erhält, direkt auf den Auftraggeber zurückfällt, und damit auf den Callcenter-Dienstleister. Wer erfährt einen Nachteil, wenn in Zukunft das T-Mobile-Callcenter in Indien steht? Die unqualifizierten (oder unqualifizierbaren) Mitarbeiter in Deutschland. Wer profitiert ? Die Kunden. Die sind übrigens die, die das Ganze bezahlen. Hatte mein Callcenteragent wohl gerade vergessen, aber er ruft ja wieder an.

Unter anderem die Schilderungen der Callcenterbranche machen das Buch "The world is flat" von Thomas Friedman empfehlenswert. Friedman ist Kolumnist der New York Times und dreifacher Pulitzerpreisträger. Sein Buch über die Globalisierung ist kenntnisreich und spannend: eine Globalisierungs-Pflichtlektüre, wenn auch nicht uneingeschränkt nachbetbar. Selber lesen.

PS: Ich hatte übrigens schon vor Wochen die Faxen dicke und ziehe nun um, wahrscheinlich zu Simyo. Mein Telefonierverhalten kostet dort noch nicht einmal die Hälfte. "Rufnummernmitnahme" und „Automatische Aufladung per Lastschriftverfahren“ heissen die Zauberworte, das gibt es so wohl nur dort. Achtung: Ein normaler Zweijahres-Vertrag bei T-Mobile hat gewöhnlich eine dreimonatige Kündigungsfrist. Bei mir hat ein formloses Kündigungsschreiben (mit Unterschrift eingescannt und an servicecenter.gk@t-mobile.de geschickt) ausgereicht, die schriftliche Bestätigung kam postwendend.

Sonntag, 9. März 2008

Cebit- und Ingescon-Nachlese

Beim Indo German IT Round Table 2008 am vergangenen Montag in Stuttgart haben sich ziemlich viele Anbieter von IT-Outsourcing-Services mit, nun ja, ziemlich vielen Anbietern von IT-Outsourcing-Services getroffen. Mir sind auf der Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus zwei Dinge aufgefallen:

Erstens: Ashant Chalasani hat mit dem Indo-German IT Round Table offenbar eine Lücke gefunden und ausgefüllt, denn immerhin sind über 40 Unternehmen und zahlreiche Vertreter von Stadt, Land und allerlei Verbänden seinem Ruf gefolgt. Er hat außerdem demonstriert, daß Offshore Outsourcing nun wirklich akzeptiert ist. Sonst hätte er wohl kaum in das Rathaus der Landeshauptstadt einladen dürfen. Chapeau, Ashant.

Zweitens: IT-Offshore-Outsourcing nach Indien gibt es für die „breite Masse“ von Unternehmen seit der Jahrtausendwende (erinnern Sie sich noch an den damals befürchteten Millenium-Bug ? Die damalige Knappheit an Entwicklern war ein massgeblicher Faktor zu Beginn der indischen IT-Erfolgsstory!). Es wurden nun in den vergangenen zehn Jahren Tausende von IT-Offshore-Projekten durchgeführt und Milliarden von Euro umgesetzt. Manche Projekte waren erfolgreich, manche waren es nicht, 10 Jahre Offshore Outsourcing waren aber für alle Teilnehmer – zumindest potentiell – lehrreich, und zwar auf beiden Seiten. Dessen ungeachtet waren die meisten indischen Anbieter letzte Woche in Stuttgart ohne klaren Angebotsfokus angetreten, die Mehrzahl meiner Gesprächspartner bot mit Inbrunst und Überzeugung „all technologies, all industries“ an. Schade eigentlich. Die Nachfrageseite hat nach meinem Eindruck nämlich schon ziemlich viel dazugelernt und würde heutzutage, von einer hohen technischen Kompetenz abgesehen, vor allem branchenrelevante Referenzen sehen wollen. Wenn die Angebotsseite da nicht mitzieht, überlässt sie das Geschäft den Wenigen an der Spitze und dem internationalen Wettbewerb.

Womit wir bei der CeBIT 2008 wären: Auf dem Ukraine-Forum des Branchenverbandes Bitkom waren die Anbieter von Software Services ebenfalls völlig unter sich, die Kunden informierten sich offensichtlich anderswo. Ich hatte den Eindruck, nochmal Präsentationen aus meinen frühen Indien-Jahren zu sehen. Da wurden Tips für den Umgang mit Deutschen gegeben („a firm but brief handshake!“) und stolz von versucht, mit CMM-Level 3 zu punkten (es empfiehlt sich nicht, mit weniger als Level 5 anzugeben.) Einzige Highlights: Albrecht Metter von der ameria GmbH unterstrich seine Behauptung, etwas von deutsch-ukrainischer Zusammenarbeit zu verstehen, indem er auf deutsch und ukrainisch vortrug. Valeriy Kutsyy von Miratech gab einen spannenden analytischen Blick auf die Entwicklung der ukrainischen IT-Wirtschaft. Da tut sich etwas, es würde mich nicht überraschen, wenn wir in naher Zukunft mehr von dieser Nearshore-Destination hören.

Samstag, 1. März 2008

Ingescon: Indo German IT Round Table, Cebit, Outsourcing Enterprise Series

Am kommenden Montag (3.März 2008) treffen sich ziemlich viele Anbieter von IT-Outsourcing-Services mit ziemlich vielen Nachfragern derselben – oder so ist es zumindest gedacht. IT Round Table 2008 heisst die Veranstaltung in Stuttgart – sehr spannend aufgesetzt, interessante Rednerliste, relevante Themenauswahl. Ob es tatsächlich viele Nachfrager auf die Veranstaltung zieht, werden wir sehen. Hoffentlich ist es nicht wie auf der Cebit, wo jeder etwas verkaufen möchte, sich die Kaufwilligen aber leider anderswo informieren. Ich habe beide Seiten auf meiner Agenda und fahre jedenfalls hin – sowohl zum IT Round Table nach Stuttgart als auch, tags darauf, auf eine Kurzvisite zur Cebit. Von beidem werde ich berichten, nächste Woche hier.

Fundstelle: Logica hat eine White Paper Serie namens „Outsourcing Enterprise Series“ verlegt, die im Gegensatz zu der in unsere jungen Branche oft anzutreffenden eher anekdotischen Evidenzbasis auf einer wissenschaftlich soliden Grundlage steht: 1200 Organisationen, 15 Jahre, über die ganze Welt verteilt, viele Branchen, und, das finde ich bemerkenswert: Von mehreren unabhängigen Forschern, darunter Leslie Willcocks von Europas Kaderschmiede Nr. 1, der London School of Economics. Entstanden ist eine White Paper-Serie, die ich dem Global-Sourcing-Interessierten nur an Herz legen kann. Hier ist der Link.

Schönes Wochenende !